Was der Test misst
Ein Gebläse wird luftdicht in eine Außentür oder ein Fenster eingesetzt. Es erzeugt im Haus einen Unterdruck oder einen Überdruck gegenüber der Außenluft. Gemessen wird, wie viel Luft bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal durch die Gebäudehülle strömt — durch Fugen, Anschlüsse, Durchdringungen und Risse.
Teilt man diesen Volumenstrom (in Kubikmetern pro Stunde) durch das beheizte Luftvolumen des Hauses, erhält man die Luftwechselrate n50 in der Einheit 1/h. Sie sagt, wie oft das Luftvolumen des Hauses bei dieser Druckdifferenz pro Stunde ausgetauscht würde. n50 = 1,5 bedeutet: Bei 50 Pa strömt pro Stunde das 1,5-fache des Raumluftvolumens durch die Hülle.
Das Messverfahren beschreibt die Norm DIN EN ISO 9972 „Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden — Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden — Differenzdruckverfahren“. Für den Nachweis in Deutschland ist die Ausgabe 2018-12 mit dem nationalen Anhang NA maßgeblich.
Warum Luftdichtheit beim Holzhaus besonders zählt
Warme Raumluft enthält Feuchtigkeit. Strömt sie durch eine Leckage in die Wand oder das Dach, kühlt sie auf dem Weg nach außen ab — und Feuchte kann in der Dämmebene als Tauwasser ausfallen. In einer Holzkonstruktion ist das ein Risiko für Dämmung und Holz. Dazu kommen Zugluft, Wärmeverluste und ein schlechterer Schallschutz.
Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung arbeitet nur dann wirksam, wenn die Luft durch die Anlage strömt und nicht durch Fugen. Je dichter die Hülle, desto besser kann die Anlage ihre Aufgabe erfüllen.
Das Gesetz verlangt die luftdichte Hülle ausdrücklich: „Ein Gebäude ist so zu errichten, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig nach den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist.“ (§ 13 Gebäudemodernisierungsgesetz). Wie man das plant und ausführt, beschreibt DIN 4108-7.
Welche Grenzwerte gelten
Wird die Luftdichtheit eines neuen Gebäudes vor seiner Fertigstellung nach DIN EN ISO 9972:2018-12, Anhang NA geprüft, legt § 26 Gebäudemodernisierungsgesetz Höchstwerte fest:
| Gebäude | Höchstwert n50 | Grundlage |
|---|---|---|
| ohne raumlufttechnische Anlage (Fensterlüftung) | 3,0 pro Stunde | § 26 Abs. 2 Nr. 1 |
| mit raumlufttechnischer Anlage (z. B. Lüftungsanlage) | 1,5 pro Stunde | § 26 Abs. 2 Nr. 2 |
Gemessen wird mit Über- und Unterdruck; die Höchstwerte müssen in beiden Fällen eingehalten werden (§ 26 Abs. 1). Für Gebäude mit mehr als 1 500 Kubikmetern Luftvolumen gilt stattdessen ein auf die Hüllfläche bezogener Wert (§ 26 Abs. 3) — bei einem typischen Einfamilienhaus spielt das selten eine Rolle.
Diese Werte sind gesetzliche Höchstwerte, keine Zielwerte. Strengere Werte können sich aus Ihrem Bauvertrag, einem Förderprogramm oder einem Gebäudestandard ergeben — für ein zertifiziertes Passivhaus verlangt das Passivhaus Institut zum Beispiel n50 von höchstens 0,6 pro Stunde.
Ist der Test Pflicht?
Das Gesetz schreibt die Messung nicht für jedes Haus ausdrücklich vor: § 13 verlangt die dauerhaft luftdichte Hülle, § 26 legt fest, was gilt, wenn gemessen wird. In der Praxis wird der Test trotzdem in vielen Fällen nötig:
- Wird im energetischen Nachweis mit einer geprüften Luftdichtheit gerechnet, muss die Messung den angesetzten Wert auch belegen (§ 26 Abs. 1 GModG).
- Soll die Wärmerückgewinnung einer Lüftungsanlage im Nachweis angerechnet werden, muss die Dichtheit des Gebäudes nachgewiesen sein (§ 28 Abs. 1 Nr. 1 GModG).
- Förderprogramme und Bauverträge verlangen oft eine Messung — maßgeblich sind die jeweils aktuellen Programmbedingungen bzw. Ihr Vertrag.
Fragen Sie Ihren Hersteller oder Ihre Energieberaterin, ob im Nachweis mit einer Dichtheitsprüfung gerechnet wird. Dann ist die Messung kein Extra, sondern Teil des Nachweises — und sie gehört in die Bau- und Leistungsbeschreibung.
Wann messen? Zwei Termine mit zwei Zielen
Baubegleitende Messung: Leckagen finden
Der beste Zeitpunkt für die Qualitätskontrolle ist, wenn die luftdichte Ebene fertig ist — Fenster und Außentüren eingebaut, Leitungen und Rohre durch die Hülle geführt —, sie aber noch nicht verkleidet ist. Bei Unterdruck sucht der Prüfer die Leckagen mit der Hand, mit Rauch, mit einem Luftgeschwindigkeitsmesser oder einer Wärmebildkamera und markiert sie. Jetzt ist das Nachbessern einfach: Band nachkleben, Manschette setzen, Anschluss schließen.
Abschlussmessung: der Nachweis
Für den energetischen Nachweis wird gemessen, wenn die luftdichte Hülle vollständig ist. Das Ergebnis geht in die Unterlagen zu Ihrem Haus ein.
Checkliste: vor dem Schließen der Wände
Diese Punkte sollten Sie — oder Ihr Prüfer — ansehen, bevor Gipskarton, Installationsebene oder Dachverkleidung montiert werden:
- Durchgehende luftdichte Ebene: Folie bzw. Dampfbremse oder Holzwerkstoffplatten mit verklebten Stößen — keine offenen Stöße, keine Risse, keine fehlenden Klebebänder.
- Fenster und Außentüren: umlaufend angeschlossen, Band auf sauberem, tragfähigem Untergrund, ohne Falten und Hohlstellen.
- Durchdringungen: Elektroleitungen, Wasser- und Abwasserrohre, Lüftungskanäle und Lüftungsrohre der Abwasserleitung mit passenden Manschetten oder Bändern abgedichtet.
- Steckdosen und Schalter in Außenwänden: luftdichte Unterputzdosen — oder eine Installationsebene vor der luftdichten Schicht, damit sie gar nicht durchbohrt werden muss.
- Anschlüsse an Bodenplatte, Decke und Dach: lückenlos verbunden, auch in Ecken und an Pfetten oder Sparren.
- Typische Schwachstellen: Bodentreppe, Dachfenster, Schornstein- oder Ofenrohrdurchführung, Rollladenkästen und Gurtdurchführungen.
- Spätere Arbeiten mitdenken: Wer bohrt nach der Messung noch durch die luftdichte Ebene — Elektriker, Küchenbauer, Monteure der Lüftungsanlage?
Fotografieren Sie den Zustand vor dem Verkleiden: Wand für Wand, mit Übersicht und Detail. Nach dem Schließen sieht man nichts mehr.
Was tun, wenn der Wert nicht passt?
Bei der baubegleitenden Messung ist das der Sinn der Sache: Leckagen suchen, nachbessern, erneut messen. Liegt das Ergebnis der Abschlussmessung über dem gesetzlichen Höchstwert, über dem vertraglich vereinbarten oder über dem im Nachweis angesetzten Wert, ist das eine Abweichung, die vor der Abnahme geklärt werden sollte. Bekannte Mängel müssen Sie sich bei der Abnahme vorbehalten (§ 640 Abs. 3 BGB).
Wie eine Kontrolle in dieser Bauphase abläuft, beschreibt die Seite BauCheck.
Häufige Fragen
- Was bedeutet n50 = 1,5?
- Bei 50 Pascal Druckdifferenz strömt pro Stunde das 1,5-fache des beheizten Luftvolumens des Hauses durch die Gebäudehülle.
- Welcher Grenzwert gilt mit Lüftungsanlage?
- Mit raumlufttechnischer Anlage gilt der strengere Höchstwert von 1,5 pro Stunde (§ 26 Abs. 2 Nr. 2 Gebäudemodernisierungsgesetz), ohne Anlage 3,0 pro Stunde.
- Ersetzt eine Messung im Bauzustand die Abschlussmessung?
- Nein. Die baubegleitende Messung dient dem Finden von Leckagen. Für den energetischen Nachweis wird gemessen, wenn die luftdichte Hülle vollständig ist.
Quellen und Stand
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG; bis 28. Juli 2026 „Gebäudeenergiegesetz — GEG“) vom 8. August 2020 (BGBl. I S. 1728), zuletzt geändert durch Art. 4 des Gesetzes vom 23. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 226): § 13 Dichtheit, § 26 Prüfung der Dichtheit eines Gebäudes, § 28 Anrechnung mechanisch betriebener Lüftungsanlagen — gesetze-im-internet.de/geg
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 640 Abs. 3 — gesetze-im-internet.de/bgb
- DIN EN ISO 9972:2018-12 Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden — Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden — Differenzdruckverfahren (mit nationalem Anhang NA)
- DIN 4108-7 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden — Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden — Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele
- Passivhaus Institut, Darmstadt: Kriterien für zertifizierte Passivhäuser (Drucktest-Luftwechsel n50 höchstens 0,6 pro Stunde)